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19.11.17

Volkstrauertag 2017 in der Gemeinde Hohne

In Hohne, Helmerkamp und Spechtshorn kamen die Bürger am Volkstrauertag an den Ehrenmälern zusammen und erinnerten an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.

Ehrenmal des 1. Weltkrieges an der Himmelfahrtskirche in Hohne.

Nach dem Gottesdienst legten Pastor Weihmann und Kirchenvorsteher Harald Dickmann für die Kirchengemeinde Hohne am Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges ein Gedenkgesteck nieder. Die Anwesenden machten sich anschließend auf den Weg zum Hohner Ehrenmal für die Gefallenen des 2. Weltkriegs.

Ehrenmal für die Gefallenen des 2. Weltkriegs

Vor der Eröffnung der Volkstrauerveranstaltung 2017 bedankte sich Bürgermeisterin Christa Harms bei den zahlreichen Helfern für den persönlichen Einsatz bei der Neugestaltung des Denkmalgeländes. Nun ist die Erinnerungsstätte auch wieder von der Straße aus zu sehen. Erst vor kurzem wurde auf dem Gelände von Sandra Heinrich und ihren Helfern ein überwachsender Pflasterweg freigelegt.
 
Totengedenken – Vorgetragen von Pastor Weihmann

Wir denken heute
an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken
der Soldaten, die in den Weltkriegen starben,
der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder
danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und
Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden,
weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden,
Teil einer Minderheit waren oder deren Leben
wegen einer Krankheit oder Behinderung
als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,
die ums Leben kamen, weil sie Widerstand
gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,
und derer, die den Tod fanden, weil sie an
ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern
um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terrorismus und
politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und
anderen Einsatzkräfte,
die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer,
die bei uns durch Hass und Gewalt gegen
Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit allen,
die Leid tragen um die Toten und
teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der
Hoffnung auf Versöhnung unter den
Menschen und Völkern,
und unsere Verantwortung gilt dem
Frieden unter den Menschen zu Hause
und in der ganzen Welt.

Ansprache von Christa Harms, Bürgermeisterin der Gemeinde Hohne

Christa Harms, Bürgermeisterin der Gemeinde Hohne, hob in ihrer Ansprache zunächst hervor, dass wir mittlerweile seit 72 Jahren in Frieden und Freiheit leben. Ein Gut, dass für uns heute Lebenden zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

"Wir sollten es aber nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, sondern als großer Wert der heutigen Gesellschaft. Dies müssen wir uns immer wieder in unser Bewusstsein rücken, erhalten und pflegen" fährt sie fort. Christa Harms zitiert Konrad Adenauer, dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland mit den Worten: "Frieden und Freiheit sind die Grundlagen der menschenwürdigen Existenz!"
 
Aber wie sah vor einhundert Jahren im 1. Weltkrieg aus. Wir haben heute die Kenntnisse von grausamen Zeiten, die unsere Väter, Großväter Urgroßväter erleiden mussten. Christa Harms wirft einen genauen Blick in das Jahr 1917, dass als ein Epochenjahr gilt. In Russland wird der Zar Nikolas I gestürzt, die Bolschewiki übernehmen die Macht und Lenin gelingt mit deutscher Hilfe die Rückkehr in seine Heimat und später an die Spitze des Staates. Deutsche Truppen ziehen in Riga ein und die USA erklären Deutschland den Krieg. Deutschland erklärte den absoluten U-Bootkrieg und Deutschlands Heeresleitung hatte trotz starker Verluste noch die Hoffnung, den Krieg zu gewinnen. Am Ende waren fast zwei Millionen Tote deutsche Soldaten zu beklagen. Wir fragen uns, haben am Ende Frieden und Freiheit gesiegt oder nur die stärkere Kraft. Hat die Welt daraus gelernt? Die Antwort kennen wir.

Am Ende des  2. Weltkrieges waren insgesamt 80 Millionen Menschen ums Leben gekommen. "Heute machen uns Terrorangriffen und instabile Regierungen Angst" ist Christa Harms Gegenwartsbeschreibung. "Die bisher gefühlte Sicherheit hat Risse bekommen. 2017 sind weltweit 32 Kriege zu beklagen. Die Menschen hungern und fliehen. Schätzweise 66 Millionen Menschen sind weltweit auf der Suche nach Frieden und Freiheit. 4.000 deutsche Soldaten helfen in instabilen Regionen Frieden zu erhalten. Aber wir müssen auch bei diesen Einsätzen tote deutsche Soldaten beklagen. Sie traten für Frieden und Freiheit ein. Es ist eine große Aufgabe für jeden einzelnen von uns, die Mahnungen, die von diesen Toten ausgehen, zu folgen. Deshalb ist Gedenken und erinnern so wichtig wie eh und je", schließt sie den Bogen von Vergangenheit in die Gegenwart.

Auf kommunaler Ebene können wir viel erreichen, wenn wir miteinander reden und versuchen die Meinung anderer zu verstehen und zu respektieren und unser Einzelwohl hinter das Gemeinwohl stellen. Nach außen tragen z.B. die Städtepartnerschaften zu einem Völkerverständnis bei. Aber auch der Austausch mit Mitbürgern anderer Kulturen in unserem Land muss gepflegt werden. Heute wäre Indira Gandhi, die frühere Ministerpräsidentin aus Indien 100 Jahre alt geworden. Sie hinterließ einen denkwürdigen Satz: "Mit geballten Fäusten kann man sich nicht die Hände reichen!"  Mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft fordert sie dazu auf, in diesem Sinne zu handeln und alles für die Werterhaltung von Frieden und Freiheit tun.
 
Am Ende der Gedenkveranstaltung spielte der Posaunenchor die Nationalhymne.

(Bericht und Bilder eingereicht von Rainer Brammer)