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31.07.18

Feldrundfahrt 2018 in der Gemarkung Helmerkamp

Christoph Düvel (rechts) bei der Begrüßung mit Alexander Thölke
Bürgermeisterin Christa Harms genießt wie die übrigen Interessierten die Fahrt durch die schöne Helmerkämper Gemarkung.

Die alljährliche Feldrundfahrt fand in diesem Jahr in der Gemarkung Helmerkamp mit einem kleinen Abstecher nach Ahnsbeck statt. Christoph Düvel begrüßte die ca. 80 Mitglieder, Familienangehörige und Interessierte, Vertreter vom Handel und von der Politik im Namen des Landvolkbezirks Hohne ganz herzlich. Die Helmerkämper mit Alexander Thölke und Hans-Joachim Cantrup-Knoop an der Spitze freuten sich ebenfalls, dass alle so zahlreich erschienen waren. Geregnet hatte es tagsüber bereits und man wäre nicht böse, wenn es während der Fahrt weiter regnen würde. Auch Alexander Thölke begrüßte ebenfalls die Anwesenden, die bereits Platz auf den vier Wagen gefunden hatten und teilte einige organisatorische Details mit.

Marcel Behrens erläutert die Folgen der Trockenheit für die Weidetierhaltung.
Die Weiden haben ihr grünes Landschaftsbild gegen Saharagold ausgetauscht.
Kartoffelblüte bei Sonnenuntergang.

Der erste Zwischenstopp wird an einer Wiese eingelegt. Alexander Thölke weist auf das aktuelle, sehr akute Problem der Futterknappheit hin. „Hier sieht man eine Wiese, die eigentlich gar nicht mehr aussieht wie eine Wiese, weil sie nur noch braun ist.“ Dieses traurige Bild findet man nun überall in der Gemarkung vor. Er wünscht sich, dass dem heutigen Regentag viele weitere folgen werden. Marcel Behrens ergänzt, dass diese Wiese auf lehmigen Untergrund bei Trockenheit eigentlich länger wachsen müsste, aber nun ist auch ihr sattes Grün verloren gegangen. Die Tiere kommen mit dem Gras nicht mehr aus und erhalten zusätzlich Mais. Froh ist Marcel, dass nun auch die Bracheflächen gemäht und verfüttert werden können. Auf dieser braunen Wiese, in Fachkreisen auch „Saharagold“ genannt, weiden die Bullenkälber von Marcel Behrens. Auf einer anderen Wiese, die schon viermal beregnet und gedüngt wurde, stehen seine Rinder. Die Beregnungsmaßnahmen hielten zwar das Gras grün, aber ein normaler Graswuchs war nicht das Ergebnis der Mühen. Große Bedeutung hat für die Weidetierhalter in diesem Jahr hat auch die Standfestigkeit des Zaunes, denn die „Ausbruchversuche“ nehmen beim Anblick von grünen Flächen in der Nachbarschaft zu.
 
Alexander erläutert, dass in der Ahnsbecker Gemarkung viel Mais mit unterschiedlichen Wuchs angebaut ist. Wer ordentlich beregnen kann, hat auch ordentlich Mais. Wer weniger beregnen kann, bei dem sieht es anders aus.

Die schöne Landschaft zieht die Blicke auf Sicht.
Peter Trumann (steh. li.) referiert über die Entwicklung auf den Äckern.
Christoph Düvel referiert über die rechtliche Beregnungssituation.

Peter Trumann vom Beratungsring Hohne berichtete, über aktuelle Entwicklungen auf den Äckern? Bereits im Frühjahr war es sehr schwierig abzuschätzen, zu welchem Zeitpunkt man denn endlich auf die Fläche zum Bestellung kommen konnte. Also man musste schon etwas Geduld mitbringen, um die Böden auch erst dann zu bearbeiten, wenn sie ausreichend abgetrocknet waren. Und da wo das nicht passiert ist, wo es doch ein bisschen zu feucht war, da ziehen sich die Wachstumsprobleme bis zur Ernte durch. Was zeichnet das Frühjahr oder das Jahr generell noch so aus? Das Getreide hat natürlich seine Schwierigkeiten mit der Witterung gehabt und Peter Trumann denkt, dass man die Sommergerste mit künstlichen Regen größtenteils gut hingekriegt hat. Was dabei rauskommt, weiß man noch nicht. Die Wintergerste ist größtenteils mit ziemlich ernüchternden Erträgen abgeerntet. Von daher sind die Landwirte mal gespannt, was bei der Sommergerste herauskommt. Aber die Erträge sind das eine und das Zweite, auch gerade warum wir die Sommergerste beregnen, dass ist die Einhaltung der geforderten Qualitäten. Ob man mit dem Eiweißgehalt da landet, wo man landen muss wird man sehen.
Bei den Hackfrüchten, angefangen beim Mais, sieht man ganz unterschiedliche Bestände. Diejenigen, die gut reingekommen sind und Wasser bekommen haben, sehen absolut vielversprechend aus. Sicher ist aber, und dass kann man auch an die Lohnunternehmer weitergeben, dass man auch in diesem Jahr vierzehn Tage vor dem üblichen Termin anfangen kann zu häckseln. Der Mais hat dort nicht gelitten, wo ausreichend beregnet worden ist und ist relativ früh in die Blüte gekommen.
Bei den Rüben erkennen wir schon, dass wir mit dem Standort, den wir hier haben, relativ gut Rüben produzieren können. Wir konnten mit der Beregnung tatsächlich noch steuern und die Rüben versorgen und es ist bei vielen Beständen schon ein bisschen was drunter. Das könnte was werden! Die Schwierigkeiten waren eben nur, wie in allen anderen Kulturen auch, die Unkrautbekämpfung. Im Frühjahr war die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig, so dass einige Pflanzenschutzmittel nicht „gefasst haben“, wie sie sollten. Das sieht man den Rüben- und Kartoffelschlägen auch teilweise an.
Dann kommt Peter zur Beurteilung der Kartoffeln. „Das sieht ganz durchwachsen aus! Der erste Eindruck bei den Kartoffeln ist relativ gut. Die Frage ist immer, was wächst denn da drunter. Der eine oder andere hat schon mal gebuddelt. Bei manchen Sorten zählt man um die zehn Knollen und bei anderen 18 bis 20 Knollen. Wenn die dann alle gleich dick sind, dann weiß man, wie groß der Unterschied im Ertrag ist. „Von daher wissen wir auch noch nicht, was da kommt.“
Das einzig Positive ist, dass wir vielleicht etwas vorsichtig optimistisch auf die Preisentwicklung unserer Produkte schauen dürfen. Die Preise für Roggen und Gerste sind angezogen. Momentan wurden Verträge schon für nächstes Jahr angeboten, die bei 20 Euro liegen. Das ist eine Sache, über die man schon nachdenken darf. Bei den Kartoffeln müssen wir mal sehen, wie die Erträge werden. Die Preisentwicklung ist schwierig einzuschätzen, weil keiner weiß, was tatsächlich ins Lager kommt und man erst dann sehen kann, wie sich die Preise entwickeln.
 
Christoph berichtet über das Thema des Jahres – Niederschläge! Im letzten Jahr sind an der offiziellen Messstation in Spechtshorn tatsächlich 1048 Millimeter Niederschlag gemessen worden. Eine private Messreihe seit 1976 weist für Spechtshorn einen Jahresdurchschnitt von 764 mm Niederschlag aus. Für 2017 muss berücksichtigt werden, dass der größte Teil in der zweiten Jahreshälfte gefallen ist. Das ging letzte Jahr bei der Feldrundfahrt los und danach hat keiner mehr beregnen müssen und eigentlich nur noch die Gräben frei gebuddelt. Teilweise musste ein zweiter oder dritter Schlepper in der Hackfruchternte vorgehängt werden. Das niederschlagsreiche Wetter zog sich bis ins Frühjahr hinein. Mitte April hatte man noch einmal eine vollkommene Sättigung der Böden. Da konnte keiner fahren und musste wie Peter bereits ausgeführt hatte sehr gut abwägen. Seitdem hat man in der Region eigentlich keinen Niederschlag mehr von Bedeutung gehabt. Bei hohen Temperaturen und kräftigen Wind aus Ost errechnen sich bei der offiziellen Beregnungsberatung ein Saldo aus Verdunstung und Niederschlag seit Anfang April von minus 329 mm. Dieser Bedarf kann mit Beregnungseinsatz nicht vollständig ausgeglichen werden. Die Gemarkung ist also von einem Extrem mit den vielen Niederschlägen ins nächste Extrem reingerutscht. Ob das alles schon Klimawandel ist, kann man gar nicht so beurteilen. Die Älteren haben so etwas in abgewandelter Form sicher schon erlebt.
 
Peter Trumann spricht noch einmal das Thema Beregnung an. „Die Beregnung ist natürlich für unsere Region extrem wichtig. Natürlich wird sehr viel beregnet und wir haben zu diesem Zeitpunkt auch eine gewisse Absenkung des Wasserspiegels. Wir sind aber auch eine Region, wo es sich immer wieder auffüllt“, führt er weiter aus. Weiter wendet er ein, dass das Beregnungswasser ja nicht ganz verloren geht. Der Niederschlag sickert ja auch durch in den Boden. Ganz wichtig ist auch zu bedenken, dass zahlreiche Nährstoffe für die Pflanzen im Boden sind. Wenn alles trocken bleibt, können die Nährstoffe nicht aufgenommen werden und dringen dann im Herbst tiefer ins Erdreich ein. Aus Umweltsicht ist Beregnung also wichtig. Seit einigen Jahren ist es im Landkreis Celle so, dass die Wasserrechte neu beantragt werden. Das ist ein riesengroßer Aufwand für die Beregnungsverbände mit hydrologischen Gutachten, usw., jede Wasserentnahme muss durch Gutachten geprüft werden. Nun hat man in diesem Jahr aufmerksam beobachtet, wie notwendig diese Beregnung ist. Im nächsten Jahr können wir darlegen, wie der Grundwasserkörper sich wieder auffüllt. Der Landkreis kennt die Notwendigkeit der Beregnung und ist auch gewillt die Landwirtschaft zu unterstützen.

Die Maisfelder wirken durch ihr unterschiedliches Wachstum wie eine Hügellandschaften.
Alexander Thölke

Alexander bewertet die Stimmungslage rund um die Landwirtschaft so, dass die Themen leider immer stärker emotionalisiert werden. Man hat in letzter Zeit das Gefühl, dass da etwas aus dem Ruder läuft und man stärker angefeindet wird. Das bedauert er sehr und fordert dazu auf, die Bauern bei offenen Fragen direkt anzusprechen. Es gibt bereits Kampagnen wie z. B. „Frag den Landwirt“! Mit diesem Aufruf spricht er für ganz Helmerkamp.
 
Christoph berichtet aus der Landvolkarbeit, die sich aktuell unter anderem mit den Themen Ausweisung von Naturschutzgebieten/ Natura 2000, der Südlinktrasse und der Rückkehr des Wolfes beschäftigt. Das beherrschende überregionale Thema sind die europäischen Verhandlungen zur GAP-Reform/ EU-Agrarförderung nach 2020, mit einem wahrscheinlich stark reduzierten Budget.
Dann ging es zurück zur Helmerkämper Grillhütte. Hier konnte bei Gegrillten und einem Kaltgetränk noch weiter gefachsimpelt werden.
Dank an die Organisatoren auch vom Reporter, der wieder viele interessante landwirtschaftliche Aspekte niederschreiben durfte.
Rainer Brammer