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Von der Ölgemeinde zur Ökogemeinde

Nachhaltiges Wirtschaften steht angesichts der ständig steigenden CO2-Emissionszahlen in der Welt in den kommenden Jahren auf dem Prüfstand von Wirtschaft und privaten Haushalten.

Die eindrucksvolle Entwicklung in unserer Gemeinde hinsichtlich der Einspeisung erneuerbaren Energien ist in der nachfolgenden Tabelle dokumentiert.

 

Energieträger EEG 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Biogas- anlagenAnzahl33333333
Produktion T/kWh9.90010.3209.8009.10910.10210.02710.51911.199
Photovoltaik-anlagenAnzahl141429393958 5959
Produktion T/kWh140187398424 8163.296 3.402 3.558
Windkraft- anlagenAnzahl313212121202121
Produktion T/kWh1.4008.81554.17469.07972.21267.89766.10776.617
Anlagen gesamtAnzahl20305363638183 83
Gesamtproduktion T/kWh11.44019.32264.37278.61283.13081.22080.029 91.374

Anmerkung:

In den Daten 2013 ist die Leistung der Photvoltaikanlage auf dem ehemaligen Röpe-Gelände erstmalig erfasst.


Über die Öl- und Ökogeschichte unserer Gemeinde Hohne

1952 - Gründung Erdölwerke Hohne

Am 1. Februar 1952 erfolgte die offizielle Gründung der Erdölwerke Hohne. Je mehr Bohranlagen eingesetzt, je mehr Bohrungen fertig gestellt wurden und in Förderung gingen. umso höher stiegen die Anforderungen an den Nachschub für die erforderlichen Materialien. Eine örtliche Betriebsführung wurde dringend notwendig. Es wurden Werkstatt-, Garagen-, Büro- und Wohngebäude auf dem Gelände des Betriebsplatzes errichtet, die im Mai 1952 bezogen werden konnten. Die Kumulativförderung des Förderbetriebes Hohne bis 2000 betrug ca. 26 Millionen Tonnen Rohöl. Dies entspricht rund 60 % der bisherigen inländischen RWE-DEA -Förderung.

1998 – Idee eines Windparks im Schmarloh

Historie:

1998

 Im September erste Besprechung zwischen  Hans-Rainer Rohde (Geschäftsführer des ersten privat erbauten Windrades im LK Celle 1994) Bodo Köhne (ehemaliger Hohner und Betreiber von Windkraftanlagen) und Bürgermeister Erhard Thölke. Die Idee eines Windparks im Schmarloh wird geboren.

1999

 Verhandlungen mit den Grundstückseigentürmern durch Köhne führen nicht zum Erfolg. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit um die Gelder für Erdöl bildet sich eine Gemeinschaft der Grundstückseigentümer.  Diese verhandeln mit andern Betreibern. Das Ergebnis ist, dass ein Teil bei deag (Dr. Jäger-Bloh), der überwiegende Teil mit der Winkra (Dr. Carstensen) für die Errichtung von Windkraftanlagen unterschreibt.

2000

Insgesamt sind sechs intensive Gespräche unter Führung der Gemeinde notwendig. Die gemeinsame Aufteilung der vorgesehenen Fläche unter beiden Betreibern gestaltet sich als ausgesprochen schwierig und kompliziert. Dies ist auch darin begründet, dass beide Betreiber im Wettbewerb um andere Flächen im Küstenbereich heftige Konkurrenten waren. Am Samstag, den 18. März 2000 gelingt schließlich der Durchbruch, ein gemeinsames Papier wird unterzeichnet.

Gleichzeitig wurde mit den Grundstücksbesitzern mündlich vereinbart, dass die Gemeinde an dem Windpark finanziell partizipiert. Als Ideengeber und für die Genehmigungsverfahren in den einzelnen Instanzen bis hin zur Realisierung sollte so ein Nutzen für die gesamte Bevölkerung vorhanden sein.

Da beide Betreiber die vorgesehene Fläche optimal bestücken wollten, ging man mit insgesamt 45 Anlagen in das Planungsverfahren, darunter auch die sogenannten Turboanlagen.

Das Antragsverfahren durch den Landkreis Celle wurde am 26.05.2000 eröffnet. Insgesamt wurden 44 Gutachten von den Betreibern verlangt, eine derartig akribische Untersuchung für ein solches Projekt gab bisher in Deutschland noch nicht.

Im Mai/Juni informierte Erhard Thölke mit Hans-Rainer Rohde in drei Veranstaltungen in den Ortsteilen die interessierten Bürger. Gleichzeitig gründete sich eine Bürgerinitiative gegen den geplanten Windpark.

„Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ ist ein interessantes Buch, welches sich mit dem Bau von Windkraftanlagen in verschiedenen Regionen beschäftigt. Das Buch bekam ich damals geschenkt. Niemals habe ich geglaubt, dass dies in Hohne auch so passieren könnte – ich irrte es kam schlimmer.

In teilweise sehr unsachlicher Form wurden berechtigte Ängste der Bürger dramatisiert und nicht nur von der heimischen Presse als Fakten dargestellt. Die Befürworter des Projektes wurden in anonymen Leserbriefen diffamiert.  Unsinnige Behauptungen wie Belästigung durch Schattenschlag (vom Standort her nicht möglich), oder Wertverlust von Immobilien (nie bewiesen – nur behauptet) wurden verbreitet.

2001

Die Auseinandersetzungen verschärften sich weiter. Die Windkraftgegner, deren führende Agitatoren teilweise gar nicht aus der Gemeinde kamen, griffen im Zuge des Kommunalwahlkampfes in Hohne zu persönlichen Diffamierungen, um den bisherigen Bürgermeister Erhard Thölke zu verhindern.

Das Ergebnis der Wahl 2001 hätte für SPD und CDU nur eine Mehrheit mit der FDP (Windkraftgegner) ermöglicht. Daher schlug die SPD der CDU die Teilung der Legislaturperiode im Bürgermeisteramt nach der Hälfte vor. Somit war die politische Mehrheit für den Windpark in einer großen Koalition weiter gesichert.

Als hemmend und kontraproduktiv, sowohl im Laufe des Genehmigungsverfahrens, als auch bei den Gegnern des Projektes stellte sich einmal die große Anzahl der Anlagen und die sogenannten Turbowindräder heraus. Eine Reduzierung der Gesamtmenge und ein viel früheres Zurückziehen der unrealisierbaren Turbos, wäre sicherlich das Verfahren beschleunigt und die Gegnerschaft des Projektes weniger beunruhigt.

2002-2004

Gemeinde, Samtgemeinde und Landkreis Celle führen weitere Abstimmungsgespräche über das Raumordnungsverfahren durch. Gleichzeitig lassen die Betreiber die erforderlichen Gutachten erstellen.

Während dessen versucht der Verein gegen Windkraft im Schmarloh weiterhin in teilweise unwahrer und unsachlicher Form das Projekt zu verhindern. Man spricht von gespaltener Dorfgemeinschaft und nimmt den zunehmend zustimmenden Teil für das Projekt nicht zur Kenntnis. Höhepunkt der Kampagne war der Vorwurf der Korruption und Bestechlichkeit gegenüber Gemeindedirektor Warncke und Bürgermister Thölke in der Heimatpress im November 2004. Die postwendende  Gegendarstellung erfolgte mit einer kommentierenden Entschuldigung des Redakteurs am nächsten Tag.

2005-2006

Der im Raumordnungsverfahren festgelegte Bereich wird durch die beiden Betreiber beplant. Die Gemeinschaft der Grundstückseigentümer nimmt ihre Arbeit auf, eine Satzung wird mit Unterstützung der Verwaltung erarbeitet. In dieser Satzung wird unveränderbar festgelegt, dass die Gemeinde einen prozentualen Anteil aus den Einnahmen von den Grundstücksbesitzern erhält.

2007

Da die Einnahmen der Gemeinde nicht direkt fließen dürfen, wird durch Gemeindedirektor Wanrcke eine Stiftungssatzung erarbeitet. Diese legt fest, dass die Stiftung Windpark Schmarloh im Bereich der Gemeinde kulturelle, sportliche und soziale Zwecke unterstützt.

Am 19.12. 2007 wird die erste Windturbine in Betrieb genommen.

2008

Der Windpark wächst weiter im Laufe des Jahres werden weiter sieben Anlagen gebaut. Am 30.08. 2008 wird der Windpark unter großer Anteilnahme der Bevölkerung offiziell eingeweiht.

Die erste Ausschüttung der Stiftung erfolgt am 29.10.2008. 5.500,- € an fünf verschiedene Einrichtungen gezahlt.

2009

Weitere Anlagen werden errichtet, auch der zweite Betreiber, jetzt ecojoule, erstellt die typgleichen ersten beiden Windkrafträder. Auch die Grundstücksbesitzer  dieses Betreibers leisten von Beginn an die vereinbarten Zahlungen in die Stiftung

Die Akzeptanz für den Windpark wächst mit den ersten Erfahrungen. Vieles von dem, was die Gegnerschaft prognostiziert hat tritt nicht ein.

Am 20.08 erfolgt eine weitere Ausschüttung der Stiftung. Diesmal erhalten fünf Antragsteller eine Gesamtsumme von 10.800,- €.

2010

Ende des Jahres stehen insgesamt 19 Anlagen des Typs E 28 der Firma Enercon. 14 Anlagen werden von der RWE Innogy GmbH betrieben, fünf Anlagen betreibt die Firma ecojoule. Die Turbinen haben eine Nabenhöhe von 108 Metern und eine Gesamthöhe von 150 Metern.

Die Stiftung beteiligt sich mit einem Betrag von 100.000,- € an der Sanierung des Waldbades Hohne. Sie trägt damit erheblich zum Erhalt des Bades bei.

Die Möglichkeit weitere Windanlagen zu bauen wird geprüft. Eventuell ergibt  sich die Möglichkeit,  östlich der jetzigen Fläche bis fünf weitere Anlagen zu errichten. Damit sollte der Windpark Schmarloh komplett sein.

2011 und Fazit

Negative Auswirkungen

  • -  Der Windpark ist sicherlich ein optischer Eingriff in die Natur. Besonders nachts stören die rot blinkenden Warnleuchten.
  • Akustische Belästigungen in der Peripherie des Windparks entstehen vor allem bei Nordwind. Dies führt zu durchaus höheren und hörbaren Geräuschen durch die Rotoren. Insgesamt sind die vom Windpark ausgehenden Belästigungen für den wohl ganz überwiegenden Anteil der Bevölkerung tolerierbar

Positive Auswirkungen:

  • Durch die Einrichtung der Stiftung besteht die Möglichkeit das ehrenamtlichen Engagements in erheblichem Maß zu fördern. Dies wäre aus kommunalen Mitteln nicht mehr möglich.
  • Der ökologische Beitrag des Windparks:
    Installierte Gesamtleistung: 38 Megawatt
    Erzeugter Strom/jährliche Leistung: 83 Gigawattstunden (GWh)
    Anzahl versorgter 3-Personenhaushalte: 23.000
    CO2 Vermeidung in Tonnen: 71000 t jährlich
  • Die erste Gewerbesteuerzahlung  der RWE  ist  2010 geflossen. Die Summen sind nicht nur für die Gemeinde Hohne, sondern auch für die Samtgemeinde und den Landkreis durch die Umlagen eine wichtige Einnahmequelle. Letztendlich profitiert die gesamte Region  damit durch den Windpark Schmarloh

In der Abwägung der Vor-und Nachteile ist abschließend festzustellen, dass die Gemeinde weder gewerblich, noch touristisch ausreichend positive Entwicklungschancen hat. Der Windpark Schmarloh ist somit ökologisch, als auch ökonomisch eine sinnvolles und nachhaltiges Projekt. Die Vorteile haben nicht nur die Grundstückbesitzer und die Gemeinde, sondern die gesamte Bevölkerung durch die getroffenen Vereinbarungen. Und dies auf einer Zeitschiene von insgesamt 20 Jahren.


Allgemeine Hintergrundinformation - Begriffsdefinitionen

Windkraftanlage
Eine Windkraftanlage (WKA) wandelt die kinetische Energie des Windes in elektrische Energie um und speist sie in das Stromnetz ein. Dies geschieht,   indem die Bewegungsenergie der Windströmung auf die Rotorblätter wirkt und sie somit den Rotor in eine Drehbewegung versetzt. Der Rotor gibt die Rotationsenergie an einen Generator weiter, welche dort in elektrischen Strom umgewandelt wird.

 

Photovoltaik    
Unter Photovoltaik oder Fotovoltaik versteht man die direkte Umwandlung von Strahlungsenergie, vornehmlich Sonnenenergie, in elektrische Energie mittels Solarzellen. Seit 1958 ist sie zur Energieversorgung der meisten Raumflugkörper im Einsatz. Inzwischen wird sie auch auf der Erde zur Stromerzeugung eingesetzt und findet Anwendung auf Dachflächen, bei Parkscheinautomaten, in Taschenrechnern, an Schallschutzwänden und auf Freiflächen.
Der Name setzt sich aus den Bestandteilen Photos (Genitiv von altgr. ??? phos ‚Licht‘) und Volta (nach Alessandro Volta) zusammen. Die Photovoltaik gilt als Teilbereich der umfassenderen Solartechnik, die auch andere technische Nutzungen der Sonnenenergie einschließt.


Biogasanlage
 Eine Biogasanlage dient der Erzeugung von Biogas durch Vergärung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen vergoren wird meist Gülle und Pflanzensilage als Substrat eingesetzt. Als Nebenprodukt wird ein als Gärrest bezeichneter Dünger produziert. Bei den meisten Biogasanlagen wird das entstandene Gas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.
 

Thermische Solaranlage
Als thermische Solaranlage werden Solaranlagen bezeichnet, die Wärme aus der Sonneneinstrahlung nutzbar machen (Solarthermie). Die Wärme wird in der Prozesstechnik oder der Gebäudetechnik nutzbar gemacht oder in thermischen Solarkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt.